Puning Si – das tibetanische Kloster in China

Zwischen den Welten – Mönche im Norden Chinas

Wir lieben unsere Welt schwarz-weiß. Aber gerade die Grautöne machen die Welt so faszinierend.

Ein für uns ungewohntes Bild: ein chinesischer Regierungsnaher neben einem tibetanischen Mönch in seinem Kloster – nicht in Tibet, sondern in China.

Der China-Tibet Konflikt bewegt immer wieder die westliche Welt und macht „Free Tibet“ zu einem beliebten Autoaufkleber. Das ist also gewissermaßen international, kosmopolitisch relevant. Und irgendwie schick.

Umso bewegender, dass schon 1755 das Kloster Puning Si, das „Kloster der umfassenden Befriedung“, versuchte dem Konflikt etwas entgegenzusetzen. Also gut vor zwei Jahrhunderten. Für mich eine Reise wert und schon bei der Reiseplanung ein Ort der Faszination.
Das Kloster Puning Si wollte zum einen das aufstrebende Mandschureich feiern, die Tibeter befrieden und auch noch die höheren Mächte gütig stimmen. Und das zeigt es auch architektonisch: vorn chinesisch, dahinter erhöht am Hügel tibetanisch.

Und heute?

Der buddhistische Tempel unterliegt dem Amt für religiöse Angelegenheiten des Staatsrates und gehört offiziell zu einem der Nationalen Schwerpunkttempel des Buddhismus in han-chinesischen Gebieten.
Die Mönche gehören der lamaistischen Kirche der Gelbmützen an.

Inspiring World?

Puning Si ist nicht nur aufgrund seiner Geschichte und seiner beeindruckenden Architektur ein inspirierender Ort.
Es ist ein Ort, der sich nicht so recht „greifen“ lässt.
Ein Ort der Zwischentöne, die für den gemeinen westlichen Touristen wie mich spürbar, aber eben nicht zu entziffern sind.
Eine Spannung die in der Luft liegt, der aber von den Mönchen und Offiziellen mit betonter Gleichmütigkeit begegnet wird.

In unserem Alltag in dem wir Komplexität durch Schubladendenken und Abgeben von Bewertungen sekundenschnell bewältigen, sträubt sich Puning Si geradezu aufgrund seiner Vielschichtigkeit sich von irgendjemanden kategorisieren zu lassen.

Puning Si – für mich ein Ort, der dazu einlädt Situationen und Menschen einfach einmal so anzunehmen wie sie sind. In all ihren Facetten. In allen Grautönen.

Reise-Infos:
Nach Puning Si in Chengde gelangt man im Land der Hochgeschwindigkeitszüge übrigens mit einem
kleinen Bummelzug in ca. 4 Stunden von Peking aus.
Unterwegs Großfamilien, Geschäftsreisende, Bauern und immer frisch aufgebrühten, heißen Tee. Denn egal wo, heißes Wasser gibt es immer und umsonst – auch im Bummelzug.

Quellen:

    – Baedeker, Allianz Reiseführer, China, 9. Auflage 2011
    – https://de.wikipedia.org/wiki/Puning-Tempel
    – https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Schwerpunkttempel_des_Buddhismus_in_han-chinesischen_Gebieten#Hubei

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